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Kernspintomographie
Die
Kernspintomographie, auch als Magnetresonanztomographie (MRT) bezeichnet,
ist ein modernes diagnostisches Verfahren, das detailgetreue Schnittbilder
des menschlichen Körpers ohne Einsatz von Röntgenstrahlen
liefert. Das erste MRT-Bild eines Menschen wurde bereits 1977 erstellt.
Die
Hauptanwendung besteht in der Diagnostik des Gehirns und des Rückenmarks
sowie der Gelenke, Knochen und Weichteile. Daneben können auch
die inneren Organe wie die Leber, die Bauchspeicheldrüse (Pankreas),
die Milz, die Nieren und Nebennieren, die Gebärmutter, die
Eierstöcke, die Prostata und die Harnblase untersucht werden.
Die MR-Mammographie liefert gute diagnostische Ergebnisse in Ergänzung
zur Mammographie und Ultraschalluntersuchung der weiblichen Brust.
Durch
den rasanten technischen Fortschritt eröffnen sich zunehmende
diagnostische Möglichkeiten in der Gefäß- und Gallengangsdiagnostik.
Jede
MRT-Untersuchung besteht aus mehreren, in der Regel zwischen 4 und
6 Einzelmessungen, den sog. Sequenzen, die jeweils wenige Minuten
dauern. Daher beträgt die Untersuchungszeit in Abhängigkeit
von der Fragestellung 15 - 45 min, in Einzelfällen kann es
auch länger dauern. Zur Vermeidung von Bewegungsartefakten
(Verwacklungen) muss der Patient absolut ruhig im Gerät
liegen. Deshalb ist in Einzelfällen der Einsatz von Beruhigungsmitteln
oder gar eine Narkose ratsam.
Für
einen Teil der Anwendungen und bestimmte Fragestellungen ist die
intravenöse Gabe eines Kontrastmittels (Gadolinium) erforderlich,
das in der Regel sehr gut vertragen und über die Nieren wieder
ausgeschieden wird. Spezielle Kontrastmittel (z.B. Endorem®,
Primovist® oder
Resovist®) kommen in Einzelfällen in der Diagnostik der Leber
zum Einsatz.
Das
MRT-Signal wird mit Antennen unterschiedlicher Größe
(sog. Spulen) aufgefangen. Je kleiner diese Spule, desto besser
ist idR. die Bildqualität. Daher ist es nicht sinnvoll und
auch meistens nicht möglich, den ganzen Körper oder große
Körperabschnitte in "einem Stück" zu untersuchen.
Während
der Untersuchung liegt der Patient in einem starken Magnetfeld (je
nach Gerät üblicherweise 0,5 bis 1,5 Tesla), das etwa
der 15.000 - 45.000fachen Erdanziehungskraft entspricht. Zur Signal
- bzw. Bilderzeugung werden Hochfrequenzimpulse eingestrahlt. Daraus
leiten sich folgende Gegenanzeigen bzw. Vorsichtsmaßnahmen
ab:
-
Patienten mit Herzschrittmachern, Cochlea-Implantaten (im Ohr)
oder Insulinpumpen sind derzeit noch generell von der Untersuchung
ausgeschlossen. Patienten mit Herzschrittmachern dürfen den
Untersuchungsraum auch nicht betreten (Sicherheitsgrenze für
den unbeschränkten öffentlichen Zugang!).
-
Mitgeführte
lose Metallgegenstände wie herausnehmbarer Zahnersatz, Brille,
Uhr, Schlüssel, Münzgeld, Feuerzeug, Schmuck, Gürtelschnalle
und auch insbesondere Scheckkarten müssen vor der Untersuchung
außerhalb des Untersuchungsraumes abgelegt werden.
-
Herzschrittmacher
oder im Körper vorhandene Metallteile wie Granatsplitter
oder Implantate bzw. Prothesen wie z.B. Gefäßstents oder
Metallclips nach Operationen sind dem Personal oder dem Arzt vor
der Untersuchung anzuzeigen, damit im Einzelfall über die
Möglichkeit einer Untersuchung entschieden werden kann.
MRT
- Technisch-physikalische Grundlagen
Ein
Atom besteht aus einer Hülle, gebildet von den Elektronen,
und aus einem Kern, der aus Protonen und Neutronen zusammengesetzt
ist. Die Protonen drehen sich um eine Achse, d.h. sie besitzen einen
Spin. Da durch diesen Spin auch die elektrische Ladung der Protonen
rotiert, resultiert daraus ein kleines begleitendes Magnetfeld.
Vereinfacht kann man daher jedes Proton als kleinen Magneten betrachten.
Der
zu untersuchende Patient liegt in einem starken, möglichst
homogen Magnetfeld (idR. 0,5-1,5 Tesla), wodurch sich die im Körper
befindlichen paramagnetischen Atomkerne mit ungerader Protonenzahl
(H+-Kerne) nach den Feldlinien des äußeren Magneten in
einer "Nord-Süd-Richtung" ausrichten und dabei um
diese Feldlinien kreiseln. Dieses Kreiseln wird als Präzession
bezeichnet. Diese Präzession erfolgt mit einer bestimmten Frequenz,
die direkt von der Stärke des äußeren Magnetfeldes
abhängig ist (sog. Larmor-Frequenz).
Die
für die Bilderzeugung wichtigen Protonen (H+-Kerne) befinden
sich in einem Gleichgewicht in paralleler und antiparaller Nord-Süd-Ausrichtung.
Auf 1.000.007 im energieärmeren stabileren Zustand parallel
ausgerichteten Protonen kommen 1.000.000 antiparallel ausgerichtete.
Dieser sehr kleine zahlenmäßige Unterschied repräsentiert
die Magnetisierung des zu untersuchenden Gewebes und ist für
die Kernspintomographie fundamental. Die 1.000.000 sowohl parallel
als auch antiparallel ausgerichteten Protonen neutralisieren sich
gegenseitig.
Nun
wird zusätzlich ein Hochfrequenzimpuls bzw. eine Radiowelle
(Resonanzfrequenz der Protonen) quer zu den Feldlinien des äußeren
Magnetfeldes temporär eingestrahlt (HF-Impuls). Dadurch gehen
einige Protonen vom parallelen in den energiereicheren antiparallen
Zustand über. Außerdem werden die Protonen zu verstärkten
Kreiselbewegungen angeregt und dabei synchronisiert. Daraus resultiert
eine messbare Quermagnetisierung, die letztendlich für
das MRT-Signal verantwortlich ist. Nach dem Abschalten dieses Hochfrequenzimpulses
kehren die Kerne in ihre stabile Ausgangslage zurück und induzieren
dabei in der Empfangsspule ein schwaches elektrisches Signal. Durch
den Einsatz sekundärer Magnetfeldgradienten ist eine räumliche
Zuordnung (Frequenz- und Phasenkodierung) möglich, so dass
mit aufwendigen Rechenverfahren (Fouriertransformation) die Schnittbilder
hergestellt werden.
Die
Schnittorientierung der MRT-Bilder ist beliebig variabel und erlaubt
somit eine multiplanare Darstellung der Untersuchungsregion. Die
Signaldifferenzen aus den einzelnen Körpergeweben ergeben sich
aus deren Protonendichte, aus der Kopplung der relevanten Protonen
an ihre jeweilige chemische Umgebung (Spin-Gitter-Relaxationszeit
T1) sowie aus der gegenseitigen Beeinflussung der Protonen (Spin-Spin-Relaxationszeit
T2).
T1 beschreibt, wie schnell sich das magnetische Moment des
untersuchten Gewebes wieder längs des äußeren Magnetfeldes
anordnet. T2 drückt aus, wie schnell sich die Quermagnetisierung
nach einem HF-Impuls wieder abbaut. Je kleiner eine solche Relaxationszeit
ist, desto schneller wird der Ausgangszustand wieder erreicht und
desto mehr Protonen stehen für die nächste Anregung wieder
zur Verfügung. Gewebe mit kürzerer Relaxationszeit erzeugen
ein stärkeres Signal als solche mit längerer Relaxationszeit.
Daraus ergibt sich der Bildkontrast verschiedener Gewebe. Typische
MRT-Kontrastmittel sind paramagnetische Substanzen und verkürzen
in Geweben, in denen sie sich anlagern, die Relaxationszeiten (bildrelevant
ist die T1-Verkürzung).
Dr.
med. Jörg Büsselberg & Andreas Gierke
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